Sternenmantel Kaiser Heinrichs II. Stickereien: Regensburg, um 1018–1024, Trägerstoff: Italien, um 1453 Diözesanmuseum Bamberg

Applikationen im Detail, mittig Christus in der Mandorla

Mit der Kaiserkrönung 1014 änderte sich das herrscherliche Selbstverständnis Heinrichs II. Er wurde zum "decus Europae", zur Zierde und zum Glanz Europas. Anlässlich des Papstbesuches 1020 in Bamberg überreichte Ismahel, der Herzog von Bari, dem Kaiser ein kostbares Geschenk, den sogenannten Sternenmantel. Das gesamte Himmelsfirmament mit allen Sternzeichen ist mit Goldfäden kunstvoll auf den ursprünglich purpurfarbenen Mantel gestickt. Goldene Sterne breiten sich strahlenförmig über den halbkreisförmigen Umhang aus. In der Rückenmitte thront Christus in einer Mandorla. Sonne und Mond, Alpha und Omega sowie Cherubim und Seraphim verkörpern die Größe des Herrn. Diese christliche Mitte wird von den zwölf Sternzeichen eingerahmt.

 

Doch noch in Bamberg verstarb der Herzog, dem die Inschrift "Pax Ismaheli, qui hoc ordinavit" Frieden wünscht. Den unteren Saum des Mantels umzieht eine gestickte lateinische Inschrift in Zierbuchstaben, die den Initialen der Regensburger Buchmalerei gleichen. Hier wird der Kaiser als "Zierde Europas" angesprochen: "O CESAR HEINRICE DECUS EUROPAE...": Heil sei dir, du Zierde Europas, Kaiser Heinrich. Dein Reich mehre der König, der da herrschet ewiglich. Wie die Inschrift unter dem Viereck auf der Rückenmitte besagt, wünschte Heinrich, dass dem höchsten Wesen dieses kaiserliche Geschenk willkommen sein möge ("SVP[ER]NE VSYE SIT GRATV[M] HOC CESARIS DONVM").

 

Beim Tod Heinrichs im Juli 1024 dürfte sich der Sternenmantel bereits im Bamberger Domschatz befunden haben. Nach der Heiligsprechung Heinrichs 1146 kam dem Mantel eine vollkommen neue Bedeutung zu: Das mit Goldstickereien und Perlen verzierte außergewöhnliche Kleidungsstück wurde in den Rang einer (Berührungs-)Reliquie erhoben.

 

Zwischen 1453 und 1455 erfolgte eine Reparatur des stark abgenutzten Sternenmantels. Aus dem alten Mantel des 11. Jahrhunderts aus dunkelpurpurfarbener Seide schnitt man die einzelnen Motive und die Buchstaben der erklärenden Texte aus und nähte sie auf einen in etwas hellerem Blau gehaltenen Mantel aus einem Granatapfel-Damast auf.

 

Text: Haus der Beyerischen Geschichte

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