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Bilder einer Insel

Jeden Sommer reise ich nach Mljet mit meiner Kamera im Gepäck und dokumentiere die Essenz der Insel: die Sonne und das Meer. Diese Bilder erzählen eine kleine Geschichte darüber: das Kommen, das Sein, das Gehen. So ist es immer mit den Inseln. Man kommt und man geht wieder.

Die Fotoreise beginnt mit der Fähre auf dem Festland, in der Nähe von Dubrovnik. Wie das führende Licht eines Leuchtturms zeigt sich der Mond über der Insel. Vom Schiffsdeck aus beobachtend, ähnelt die Überquerung des Kanals einer nächtlichen, langsamen Bahnfahrt. Die Fähre durchschneidet das dunkle Meer und schlägt die Wellen. Diese werden mit dem, aus den leuchtenden Fenstern strömenden Licht, hellgemalt.  Dann am Morgen grüsst das grelle Licht des Mittelmeers.  

 

Die breite Strasse, die ins Dorf führt, ist mit Zypressen umrandet. Die winzige Kapelle am Anfang des Dorfes hat eine sehr einfache Baustruktur. Um so eleganter wirkt ihre einzige Dekoration - eine romanische Fassadenöffnung. Jeden Nachmittag wird sie durch das Schattenspiel der grossen Pinien zu einer Basilika geweiht... Wenn die Sonne langsam zu sinken beginnt, ist es die beste Zeit ans Meer zu gehen. Zwischen Mljet und Italien dehnt sich die Adria ungestört aus. Nur die Segelbote, die sporadisch der Küste entlang segeln und die Schwimmer sind im Besitz der ungestörten Ruhe eines Insel-Nachmittags...

 

Die Hauptortschaft der Insel heisst Babino Polje. Oberhalb und unterhalb der Strasse berühren sich die Häuser und zeugen von einer anderen Zeit. Als mein Uhrgrossvater Filip, als ein junger Bursche, das erste Mal auf die Insel kam, zählte das Dorf fast zwei tausend Einwohner. Heute sind es kaum fünfhundert.   

Wären Sie von einigen Jahren zum Dorf gekommen, so hätten Sie am Anfang des Dorfes einer alten Frau begegnen können. Sie stand dort, stundenlang, schweigend am Eingang ihres Hauses. Wartend. Man erzählte mir, sie warte auf einen Brief von der Stadt. Sie lebt nicht mehr und der Brief ist nicht angekommen.

 

Trotz einem einzigen, immer gut besuchten Kaffeehaus verlaufen die Abende im Dorf ohne grosse Aufregung: ein langes Gespräch zum Nachessen, ein gutes Buch, vielleicht ein Telefon mit dem Freund in der Schweiz. Durch das offene Fenster lässt man den Mondschein und die Geräusche eines schlafenden Dorfes ins Zimmer hinein und zelebriert die wunderbare Einfachheit und Leichtigkeit des Seins.

(Diese Skizzen eines Inseltages finden Sie in den folgenden Bildern dokumentiert und etwa chronologisch dargestellt)

                                 

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ein nie erhaltener Brief

Wären Sie von einigen Jahren zum Dorf gekommen, so hätten Sie am Anfang des Dorfes einer alten Frau begegnen können. Sie stand dort, stundenlang, schweigend am Eingang ihres Hauses. Wartend. Man erzählte mir, sie warte auf einen Brief von der Stadt. Sie lebt nicht mehr und der Brief ist nicht angekommen.

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Trotz einem einzigen, immer gut besuchten Kaffeehaus verlaufen die Abende im Dorf ohne grosse Aufregung: ein langes Gespräch zum Nachessen, ein gutes Buch, vielleicht ein Telefon mit dem Freund in der Schweiz. Durch das offene Fenster lässt man den Mondschein und die Geräusche eines schlafenden Dorfes ins Zimmer hinein und zelebriert die wunderbare Einfachheit und Leichtigkeit des Seins.

Die

Vorübergehende Endgültigkeit

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Der Abschied oder eine vorübergehende Endgültigkeit

Im Unterschied zum Abschied auf einer Stadt, ist das Verlassen einer Insel immer abrupt. Die Städte verschmelzen mit den Vororten. Die menschenleeren Landschaften werden durch die abnehmende Dichte der Vororte und die hässlichen Einkaufsstrassen vorangekündigt. Der Abschied von einer Insel passiert in wenigen Minuten die es braucht, bis das Schiffsseil vom Dock gelöst wird und auf dem Bug sorgfältig eingerollt wird. Und die Gesichter am Land noch erkennbar sind. Dann geht es endgültig - bis zum nächsten Sommer - zurück zum Festland. 

Text und Bilder:

Bo Kojich

KOJICH REISEN ZUR KUNST | IM GLÖGGLIHOF 16 | CH-4125 RIEHEN