• Reisen zur Kunst

Klöster und Landschaften des Südbalkans

Heute wollen wir Sie auf eine Bilderreise zu den Klöstern des Südbalkans entführen. Die Region des heutigen Serbiens, des Kosovos, Teile Mazedoniens und Montenegros bildeten im Mittelalter ein serbisches Königreich, welches politisch und kulturell zwischen dem katholischen Westen – angeführt vom Heilig Römsichen Reich – und dem orthodoxen Osten unter der Führung des byzantinischen Kaiserreiches vermittelte. Die Architekturen und Malereien die dort entstanden, sind von einzigartiger Art und deren Erhaltungszustand bemerkenswert. Die Landschaften und Dörfer, in welche sie eingebunden sind, machen eine Reise unvergesslich.


Unsere Reise beginnt auf der Festung von Belgrad. In der Grundstruktur im 15. Jahrhundert angelegt, erhielt sie ihre heutige Form vor allem im 17. und 18. Jahrhundert.

Heute zeigt die Festung die wechselvolle Geschichte der Stadt am Zusammenfluss von Donau und Sava. Wer zur Burg hochsteigt findet ausgestelltes Kriegsgeschütz der Weltkriege, Gräber der osmanischen Paschas und am Aussichtspunkt auf der Bastion der Festung die Pobednik-Säule von Ivan Meštrović. Von hier blickt man auf Donau und Sava, vor allem aber auch Novi Beograd. Das neue Belgrad, wo Baukräne in die Höhe ragen und der Aufbruch der Stadt am deutlichsten sichtbar wird.

Doch um die Geschichte der Region und ihrer Klöster zu verstehen, muss man aufs Land gehen. Fruška Gora, der Heilige Berg Serbiens wartet mit einer traumhaften Landschaft und einer Vielzahl von Klöstern auf.

Das Kloster Hopovo zeigt das erste mal die besondere Lage Serbiens. Während der Kirchenbau aus dem späten 15. Jahrhundert den mittelalterlichen Formen des orthodoxen Kirchenbaus folgt und nur in den Details der Fassadengestaltung romanische Formen aus dem Westen zeigt, wird man bei der barocken Ummantelung des Klosters aus dem 18. Jahrhundert den Verdacht nicht los, die Österreicher hätten hier ihre Finger im Spiel gehabt.

Wir reisen weiter in den Süden und kommen nach Topola wo sich der Berg Oplenac befindet. Dort auf dem Berg befindet sich die Grabeskirche der serbischen Königsfamilie Karađorđević, welche mit Unterbrüchen von 1803-1945 über Serbien regierten. Die Kirche des hl. Georg wurde ab 1910 errichtet. Auf den ersten Blick erscheint es, als ob sich in der sakralen Baukunst seit dem Mittelalter nichts mehr getan hätte. Doch ein genauerer Blick zeigt uns wunderbare Jugendstildetails.



Kehren wir aber ins Mittelalter und in die Zeit der Gründung des Königreiches Serbiens zurück, so gibt es keinen besseren Ort als das Kloster von Studenica. 1190 von Stephan Nemanja, dem Stammvater der Nemnjiden, welche die mittelalterlichen Könige Serbiens gestellt haben, gegründet und von seinem Sohn dem Nationalheiligen Sava um 1205 fertiggestellt, war Studenica über längere Zeit die bevorzugte Grablege dieser Familie. Die große Klosterkriche zeigt sowohl byzantinische als auch westlich-romansiche Bauelemente. Diese Kombination, die wir schon in Hopovo gesehen haben, wurde zum identifikatorischen Stilelement der Region, die als Raška-Schule bezeichnet wird. Daneben befindet sich die kleine Königskirche, die durch König Stephan Uroš II. Milutin um 1300 gestiftet wurde.


Die Malereien der kleinen Königskirche sind deswegen so bemerkenswert, weil wir hier das erste Mal eine königliche Hofwerkstatt kennenlernen. Wir kennen sogar die Namen der Künstler: Michael Astrapas und Eutychios. Dieser Umstand ist tatsächlich einmalig!

Wenn wir aber die mitunter schönsten Fresken sehen wollen, führt kein Weg am Kloster Sopocani vorbei. In diesem einsam gelegenen Kloster wurden im 13. Jahrhundert Malereien mit einer bemerkenswerten Emotionalität geschaffen. An der Architektur sehen wir wieder die typischen Formen der Raška-Schule.


Neben dem Kloster Sopocani muss man unbedingt das Kloster Miliševa sehen. Die Stiftung dieses Kloster geht auch auf die Königsfamilie der Nemanjiden zurück. Heute ist das Kloster vor allem für ein Fresko berühmt: Der weisse Engel von Mileševa. Er findet sich bis heute in vielen serbischen Häusern als Poster oder Fotografie und ist möglicherweise das bekannteste serbische Bild.


Um die Region zu verstehen, lohnt es sich aber auch, nach Montenegro zu fahren. Die Mittelmeerküste verband das mittelalterliche serbische Königreich mit den starken italienischen Stadtstaaten und führte über den Handel natürlich auch zu kulturellem Austausch. Die Gegend um den Skutarisee ist heute der montenegrinische Nationalpark. Der See ist, wenn man keine Angst vor den ungiftigen aber bis zu zwei Meter langen Wasserschlangen hat, im Sommer ein beliebter Badeort. Auf einer kleinen Insel in der Mitte des Sees, ragen als Zeugen einer längst vergangenen Zeit, die Ruinen eines mittelalterlichen Klosters in die Höhe.


Nach einer solchen Reise durch die Geschichte hat man vieles gesehen und man hat sich etwas Entspannung am Mittelmeer verdient. Wir lassen die montenegrinischen Berge hinter uns und kommen nach Budva. Die Hafenstadt bietet nicht nur gastronomisch und als Badeort einiges, sie ist auch der perfekte Abschluss unsrer Bilderreise, weil sie noch einmal die Vermittlerfunktion zwischen Ost und West zeigt. Die längste Zeit über war Budva nämlich nicht Teil des serbischen Königreichs, sondern unter dem Einfluss einer Stadt, die ebenfalls zwischen West und Ost vermittelt hat: Venedig.




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