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  • Kojich & Felder Reisen zur Kunst

Der Engelsturz von Marc Chagall



Marc Chagall kehrte 1947 von seinem Exil in New York nach Paris zurück. Dort angekommen, beendete er das Bild „Der Engelssturz“. Es hat fast 25 Jahre gedauert, bis er das Bild beendet hat. Er begann kurze Zeit nach seiner Emigration aus Russland, daran zu arbeiten. Das Bild wird deswegen auch als visuelles Zeugnis der wechselhaften Geschichte von Chagalls Leben verstanden. Dominiert wird das Bild durch den leuchtend roten, stürzenden Engel. Dieser wird von einem scheinbar aus der Luft fallenden Mann und einem die Flucht ergreifenden Juden betrachtet.

Ungeschickt versucht der blau gekleidete Mann, Halt zu suchen und sich vor einem Absturz zu bewahren. Ein gelbes Tier schaut mit seinem großen, mandelförmigen Auge und treuen Blick aus dem Bild hinaus und baut mit dem Betrachter eine Verbindung auf. Mit der Geige, der Tora, der Maria mit Kind und dem Gekreuzigten vermittelt das Bild auch zwischen der jüdischen Religion und der Kultur in Witebsk, wo er 1887 als Mische Schagalow zur Welt kam und wo er Geigenunterricht bekam und als Kantor in der dortigen Synagoge assistierte, und der christlichen Welt und Kultur Russlands und des Westens, wo er ab 1911 in Paris lebte. Der aus der Szene fliehende Jude packt fest mit seinen Händen eine geöffnete Tora. Eine dramatische Ikonografie, wenn man daran denkt, dass Juden die Tora nicht mit bloßen Händen angreifen und die heiligen Rollen auch kaum aus der Synagoge entfernen. Diese Bildelemente sowie das an seine Heimat erinnernde Dorfbild wurden nach der Rückkehr Chagalls nach Paris ins Bild integriert. Während der fallende Engel zuweilen als Personifikation der Tragödie der Russischen Revolution verstanden wird, zeigt der fliehende Jude die persönliche Erfahrung der Bedrohung für Leib und Leben, die er in Konfrontation mit dem Vichy-Regime in Frankreich erfahren hat. Nach einer Verhaftung 1941 in Marseille musste er die Auslieferung an Deutschland fürchten. Nur die Flucht in die USA schien einen sicheren Hafen zu bieten. Das Zusammenstürzen sicher geglaubter Strukturen, die Verfolgung der Religion und kultureller Minderheiten verbinden die Russische Revolution und den Naziterror der 40er-Jahre. Chagall dokumentiert sie auf beeindruckende Weise in einem Bild.


Während der fallende Engel zuweilen als Personifikation der Tragödie der Russischen Revolution verstanden wird, zeigt der fliehende Jude die persönliche Erfahrung der Bedrohung an Leib und Leben, die er in Konfrontation mit dem Vichy-Regime in Frankreich erfahren hat. Nach einer Verhaftung 1941 in Marseille musste er die Auslieferung an Deutschland fürchten. Nur die Flucht in die USA schien einen sicheren Hafen zu bieten. Das Zusammenstürzen sicher geglaubter Strukturen, die Verfolgung der Religion und kultureller Minderheiten verbindet die Russische Revolution und den Naziterror der 40er-Jahre, Chagall dokumentiert sie auf beeindruckende Weise in einem Bild.

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