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Das märchenhafte Zagreb – Stadt zwischen Geschichte und Moderne

  • Kojich Reisen zur Kunst
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag


Das historische Herz Zagrebs schlägt rund um die Kirche des Heiligen Markus mit ihrem farbenfrohen Dach, das die Wappen Kroatiens und der Stadt zeigt. Wir befinden uns am Kaptol, einem der ältesten Stadtteile Zagrebs, wo Geschichte in jedem Kopfsteinpflaster spürbar ist. Ganz in der Nähe liegt das Atelier des großen kroatischen Bildhauers Ivan Meštrović. Das Atelier und das Haus von Ivan Meštrović sind noch heute weitgehend im ursprünglichen Zustand zu sehen. Die Räume vermitteln ein erstaunlich unmittelbares Gefühl von Nähe zum Künstler, als hätte er sie nur für einen Moment verlassen. Möbel, Skulpturen und persönliche Gegenstände lassen den Alltag eines Menschen erahnen, dessen Leben und Werk untrennbar miteinander verbunden waren.



Das Haus erscheint weniger als klassisches Museum denn als ein stilles Zeugnis einer Epoche, in der Kunst, persönliches Leben und Geschichte eng miteinander verwoben waren. Beim Gang durch die Räume entsteht der Eindruck, dass hier nicht nur Kunst entstanden ist, sondern auch ein Ort des


Denkens, Diskutierens und kulturellen Austauschs bestand.

Das die Sitzungen im Wohnzimmer unter einem grossen, jungen Christus auch in Anwesenheit der Kommunisten erfolgten ist ein Beweis der nur künstlerischen Bedeutung des Bildhauers












Wenige Schritte vom Meštrović-Atelier entfernt befindet sich ein zweites Museum, das man in Zagreb unbedingt besuchen sollte: das Museum der kroatischen Naiven Kunst. Es ist ein vergleichsweise kleines Haus mit nur fünf Sälen, doch gerade diese Überschaubarkeit erweist sich als Stärke. Die Ausstellung konzentriert sich auf die bedeutendsten Vertreter dieser besonderen Kunstrichtung, darunter Ivan Generalić und Ivan Rabuzin. Und vielleicht ist genau diese intime Größe entscheidend: Die Bilder verlangen Zeit und Ruhe. Sie ziehen den Besucher hinein in imaginäre Landschaften, deren Details mit erstaunlicher Sorgfalt ausgearbeitet sind. Farben und sanfte Tonabstufungen, rhythmisch angeordnete Bäume, vorbeiziehende Vögel und stille Horizonte entfalten eine beinahe traumartige Wirkung.

Alles scheint den Blick festzuhalten — nicht aufdringlich, sondern behutsam. Die Werke wirken wie eine Einladung, langsamer zu werden. Sie fassen den Betrachter sanft und führen ihn in eine stille, beinahe meditative Ruhe, die man in Museen nur selten so unmittelbar erlebt.



Nur wenige Gehminuten vom Museum entfernt gelangt man zum Dolac, dem lebhaften Markt von Zagreb. Am Kopf der Treppen, die hinunter zum Markt führen, begegnet man einer in Bronze verewigten Bäuerin, die ihre frischen Produkte trägt – ein kleines Denkmal für die Menschen, die seit Generationen das Herz des Marktes bilden. Zwischen bunten Obst- und Gemüseständen, duftenden Kräutern und geschäftigem Treiben duftet es nach frisch gebackenem Brot, Käse, Schinken und regionalen Spezialitäten. Zahlreiche Streetfood-Stände laden dazu ein, spontan ein paar kroatische Leckerbissen zu probieren: von pikanten Börek über süße Štrukli bis zu frisch gepresstem Saft. So verschmilzt hier das historische Flair des Dolac mit dem unverwechselbaren Geschmack Zagrebs.


Viel eleganter zeigt sich die Stadt an einem ihrer prächtigsten Plätze. dem Platz der Republik. Hier thront das Kroatische Nationaltheater (Hrvatsko narodno kazalište – HNK), eines der bedeutendsten kulturellen Wahrzeichen Zagrebs. Das 1895 eröffnete Gebäude wurde nach den Entwürfen der Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer errichtet, die in ganz Europa zahlreiche Theaterbauten realisierten. Stilistisch gehört das HNK zum Historismus mit deutlichen neobarocken Elementen. Die symmetrische Fassade, die reich dekorierten Ornamente, die eleganten Loggien und die markante Kuppel verleihen dem Theater jene festliche Monumentalität, die für die Kulturarchitektur der späten Habsburgerzeit charakteristisch ist.






Am Tag, wenn die Fassade des Theaters im Sonnenlicht erstrahlt und nicht von der Nachtbeleuchtung geprägt ist, entfaltet sich rund um den Platz ein anderes Schauspiel. In den Cafés und Straßencafés herrscht reges Treiben: Hier gilt das unausgesprochene Gesetz „sehen und gesehen werden“. Man tauscht Neuigkeiten aus, diskutiert über die neuesten Modetrends und lässt sich vom geschäftigen Treiben um sich herum inspirieren.





Novi Zagreb: Brutalismus und Stadtarchitektur nach 1970


Auf der anderen Seite der Save breitet sich Novi Zagreb aus, der „neue“ Teil der Stadt, der in den 1950er Jahren geplant und nach dem schweren Erdbeben von 1964 rasch aufgebaut wurde. Heute prägen ihn klare geometrische Linien, massive Betonflächen und funktionale Großbauten – typische Merkmale des Brutalismus. Doch hinter dem rauen Beton verbirgt sich mehr als ein Baustil: Die Architektur spiegelt die Vision einer modernen, urbanen Lebensweise wider, die damals in der sozialistischen Planung zum Ausdruck kam. Beim Spaziergang durch Novi Zagreb spürt man diese Mischung aus Ordnung, Funktionalität und dem Streben nach einem neuen Stadtleben förmlich.


Ein besonders markantes Beispiel ist die Wohnsiedlung „Mamutica“. Der Name spielt auf die gewaltige Größe des Gebäudes an: Mit 240 Metern Länge gilt es als eines der größten Wohngebäude in Kroatien. Seine monolithische Betonfassade und die rhythmisch gesetzten Balkone sind typisch für die Ästhetik des Brutalismus: rational, massiv, aber mit eigener, fast archaischer Schönheit.



Und dass Beton auch ein Herz haben kann, zeigt sich hier in den endlos mit dem Ball spielenden Kindern, den lebendigen Geschäften, in denen man einkauft und tratscht, in den Parks und manchmal sogar bei einer spontanen Konzertmatinee – kleine Momente des Alltags, die dem riesigen Bau Leben einhauchen.



Von Zagrebs Stadtleben zu Kroatiens Landschaften: Eine Reise zwischen Kontrasten.


Um ein Land wirklich zu verstehen, muss man auch seine Gegensätze kennen. Kaum ein stärkerer Gegensatz als der der Landschaften Kroatiens lässt sich finden. Aber das ist ein anderes Kapitel. Für jetzt – und in Vorfreude auf unsere Herbstreise durch Kroatien – drei stimmungsvolle Bilder einer Busfahrt von Zagreb nach Dubrovnik.


Wer sich in Zagreb oder anderswo in Kroatien verabschiedet, sagt einfach „Bog!“ – ein herzliches „bis bald“.


Hrvatsko Zagoroje (die nördliche Hügellandschaft Kroatiens, nordwestlich von Zagreb, bekannt für Schlösser, Weinberge und Thermalquellen)
Hrvatsko Zagoroje (die nördliche Hügellandschaft Kroatiens, nordwestlich von Zagreb, bekannt für Schlösser, Weinberge und Thermalquellen)

Ein Blick durch das Fenster bei Maslenički Most, der Dalmatien mit dem Inland Kroatiens verbindet.
Ein Blick durch das Fenster bei Maslenički Most, der Dalmatien mit dem Inland Kroatiens verbindet.

man ist bereits in Dubrovnik angekommen. Die vertrauten Agavenblüten beugen sich dem Meer und der Sonne entgegen.
man ist bereits in Dubrovnik angekommen. Die vertrauten Agavenblüten beugen sich dem Meer und der Sonne entgegen.

 
 
 

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