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  • Kojich Reisen zur Kunst

Faszination Lingotto

"Wir erklären, daß sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Geschwindigkeit. Ein Rennwagen, dessen Karosserie große Rohre schmücken, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen. Ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake". So lautet es im von Filippo Tommaso Marinetti 1909 verfassten Manifest des Futurismus. Der in Turin geborene Maler Giacomo Balla war neben Marinetti und Umberto Boccioni einer der Hauptvertreter dieser italienischen Kunstbewegung, die bis 1944 dauerte. Zwischen Februar 1913 und Januar 1914 konzentrierte er sich auf eine Reihe von Arbeiten zum Thema der Geschwindigkeit des Automobils.


Es überrascht nicht, dass seine grandiose Leinwand „Abstract Speed“ aus diesem Zyklus einen prominenten Platz in der Pinacoteca Agnelli, im Turiner Stadtteil Lingotto, am Geburtsort von FIAT einnimmt. Eine Besichtigung des Lingotto Komplexes, sollte vielleicht genau mit diesem Bild in der Pinacoteca Giovanni e Maria Agnelli beginnen. Eindrücklich manifestiert es die Faszination der Geschwindigkeit und des Autos, dem Sinnbild der Industrialisierung des Nordens Italiens.

Die Lingotto-Fabrik, südlich des Stadtzentrums gelegen, wurde am 22. Mai 1923 von König Vittorio Emanuele III feierlich eröffnet. Entworfen vom FIAT-Ingenieur Matté-Trucco, verfügte das Werk über die neuesten Technologien und war der größte einzelne Fabrikkomplex in Europa. Der Bau wurde als eines der bedeutendsten Beispiele der frühen modernistischen Industrie-Architektur gekrönt.


Bei einem Besuch der Fabrik äußerte sich Le Corbusier so über Lingotto: „Sicherlich einer der beeindruckendsten Anblicke der Industrie ... Ein florentinisches Werk, pünktlich, klar, durchsichtig”.


Bald entstand ein Mythos über die großartige, die Zukunft formende Fabrik, der geschickt durch die Werbung hochgepeitscht wurde.

Das 500 m lange, fünfstöckige Gebäude hatte ein Volumen von einer Million Kubikmetern und war mit einer Teststrecke auf dem Dach ausgestattet. Lingotto war das erste Beispiel einer modularen Konstruktion aus Stahlbeton, die auf der Wiederholung von drei Elementen basierte: Säulen, Balken und Böden. Visuell spannend ist die 1 Kilometer lange Teststrecke, die als erste futuristische Erfindung in der Architektur anerkannt wurde. Die Faszination der Geschwindigkeit hat somit nicht nur in der bildenden Kunst und in der Dichtung, sondern auch in der Architektur eine eigene Sprache gefunden.


Wenn man die Agnelli Sammlung, die in einem scheinbar in der Luft schwebenden Gebäude von Renzo Piano beherbergt ist, verlässt, dann betritt man die Teststrecke von Lingotto. Statt den glatten, modernen Materialien des Museums spürt man unten den Füßen den rauen Asphalt der Piste. Beim Spaziergang auf der Piste hört man die Geräusche der rasenden Autos längst nicht mehr. Die Fabrik wurde 1982 geschlossen und später unter Renzo Piano umgestaltet.

Der heutige Komplex enthält auch das Museum und die futuristisch wirkendes ‘Bubble’, wie sich der kugelförmige, gläserne Sitzungsraum nennt. Heute hat die Piste die Funktion eines kreativen, open-air Ausstellungsraumes für die Gegenwartskunst

Bild links: Valie Export: die Doppelgängerin

Bild unten Superflex: It is not the End of the World






Nach einem genussvollen Spaziergang auf der Piste geht man dann wieder hinein und taucht in die Welt der Kunstsammler Gianni und Maria Agnelli ein. Hier wartet auf Sie eine wunderbare Sammlung aus einer etwas langsameren Zeit. Das Museum zeigt Gemälde von Edouard Manet, Pierre-Auguste Renoir, Pablo Picasso, Amadeo Modigliani und Henri Matisse. Italienische Kunst ist mit Werken von Bernardo Bellotto, mit seinen Veduten von Dresden, mit Giovanni Battista Tiepolo und zwei Skulpturen von Antonio Canova vertreten.


Das Museum zeigt Gemälde von Eduard Manet, Pierre-Auste Renoir, Pablo Picasso, Amadeo Modigliani und Henri Matisse. Italienische Kunst ist mit Werken von Bernardo Belotto mit seinen Veduten von Dresden mit einem Giovanni Battista Tiepolo und zwei Skulpturen von Antonio Canova verträten.


Und zum Abschluss: Ein Besuch im Museo del Automobile


Unweit von Lingotto befindet sich Das MAUTO – Museo dell’Automobile von Turin. Nicht zu verpassen. Es verfügt über eine der seltensten und interessantesten Sammlungen seiner Art, mit über 200 Fahrzeugen von 80 Marken aus aller Welt. Es ist eines der berühmtesten Automobilmuseen der Welt, richtet sich aber nicht nur an Autobegeisterte. Es erzählt eine Geschichte über unsere Gesellschaft, einfache Menschen, Politiker und Filmstars. Über unsere Mobilität, Arbeit und die Freizeit. Somit auch über unsere Ferien in Italien und vollbeladene Autos: Mit all dem, was man am Strand, jenseits des Gotthards brauchen würde.





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