Musik und die Orangen: Adventszeit auf Sizilien

Jedes Jahr wird ab 29. November in Sizilien die Weihnachtszeit musikalisch angekündigt. Speziell geschulte Musiker beleben die Kirchen und die Strassen der Insel. Sie nennt man "Orbi" oder "Ciechi", die blinde, Musiker, die seit dem Mittelalter durch Sizilien wandern und singen. Nicht alle waren tatsächlich blind. Die Verbindung von diesen Musikanten mit dem Verlust des Augenlichts war aber ein wichtiger Merkmal des Typus, das auf die Antike und die Figur des Sehers-Erzählers zurückgreift. So stellt ein Bild von Matia Preti aus 1635 den blinden Homer, im Kostüme eines Sizilianischen "Ciecho" mit einer Violine, dar.

 

Die Musik von Orbi ist eine seltsame Mischung der sizilianischen Folklore, einigen paganischen Motiven und schliesslich der kirchlichen Musik, die seit dem Barrock die Oberhand gewonnen hat. Im Jahre 1661 trafen sich "orbi" von Palermo  in der Kongregation Casa Professa um einen "Vertrag" mit Jesuiten zu akzeptieren. Sie erhielten den Monopol für das öffentliche Singen in Sizilien. Als Gegenleistung würden sie ihre Aktivitäten auf die sakrale Musik limitieren und dadurch die Ideen der Gegenreformation propagieren. Nicht desto trotz überlebten bis heute auch die profanen Szenen des Musizierens, so zum Beispiel bei Privatfesten und in den traditionellen Pupi-Theatern. So werden auch in dieser Adventszeit in die Strassen Palermos die Männer mit den Instrumenten wie das traditionelle "zampognaro" (im Bild) ziehen und mit ihrer Musik die Zeit des Lichts begrüssen. Auch die Orangenernte wird die Farben hineinbringen und die Altäre und Strassen-Tabernakel Siziliens duftig beschmücken. Diese farbenfrohe Insel werden wir im Mai, während unserer Kulturreise entdeckend bereisen. Den Link dazu finden Sie hier unten.  

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Bild oben: ein "zampognaro"

in Palermo 

 

Bild rechst: "Homer"

von Mattia Preti,

1635 ca.

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