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  • Kojich & Felder Reisen zur Kunst

Genova - la Superba

Aktualisiert: 6. Apr.




Von 958 bis 1797 war Genua eine der blühendsten Seerepubliken Italiens, bekannt als "Superba", weil sie, wie ihr Wahlspruch lautete, keine Macht über sich anerkannte. Eine außergewöhnliche Stadt, ein Knotenpunkt im Mittelmeer, an dem sich Europa, Afrika und Asien trafen und miteinander verschmolzen. Die stolze Mentalität der Genuesen lässt sich am besten mit einer Inschrift an der Porta Sobrana zusammenfassen: "Im Namen Gottes, des Allmächtigen, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Von Menschen gut bewacht und von bewundernswerten Mauern befestigt, halte ich mit meiner Tapferkeit die Schläge des Feindes zurück. Bringst du Frieden, so darfst du durch diese Tore gehen. Droht Krieg, so mußt du traurig und besiegt den Rückzug antreten. Im Süden und im Westen, im Norden und im Osten weiß man, wie viele kriegerische Begegnungen ich, Genua, überstanden habe".


Der Eingang zur Altstadt befindet sich an der Porta Sobrana aus dem 9. und 10. Jahrhundert.


Zu Beginn des 11. Jahrhunderts wurde das Kloster Sant'Andrea neben der Porta Sobrana erbaut.

Die Quelle der Macht


Die vielleicht wichtigste Machtquelle der Republik war ihre Bank: die Banco San Giorgio. Die Ursprünge der Bank gehen auf die erste Staatsanleihe zurück, die die Republik Genua nach dem siegreichen Feldzug von Almeria und Tortosa (2. Kreuzzug) in den Jahren 1147-48 aufnahm. Aufgrund ihres Erfolgs wurde diese Operation in den folgenden Jahren regelmäßig wiederholt. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts entwickelte sich die Bank zu einem mächtigen Finanzinstitut mit dem Status einer modernen Zentralbank. Man nannte sie La Banca di Europa - die Bank Europas. Zu ihren Gläubigern zählten fast alle europäischen Höfe, darunter auch der Versailler Hof Ludwigs XIV.


Palazzo San Giorgio. Hier befindet sich der Sitz der Banco San Giorgio. Auf dem Fresko über dem Eingang erkennt man den Heiligen Georg.

1492 entdeckte der Genuese Christoph Kolumbus Amerika, was Spanien bekanntlich zu großem Reichtum verhalf. Auch hier mischte die Banca San Giorgio geschickt mit. Sie bot den spanischen Herrschern Kredite und andere Finanzdienstleistungen an (z.B. Geldüberweisungen, was damals noch nicht so einfach war wie heute). Die Zinsen für die Kredite bezahlte die spanische Krone in Silber, das in den Vizekönigreichen Mexiko und Peru abgebaut und über Cádiz und Sevilla nach Genua transportiert wurde. In Genua investierten die Bankiers das Silber in verschiedene wirtschaftliche Aktivitäten, vom Handel mit Amerika bis zum Handel mit China.


Ein Venezianer in Genua


Wussten Sie, dass der berühmte Reisebericht "il Milione" des venezianischen Geographen, Kaufmanns und Asienreisenden Marco Polo im Palazzo San Giorgio geschrieben wurde? Aber nicht von ihm. Rusticello da Pisa, ein italienischer Schriftsteller des 13. Jahrhunderts, hörte während einer gemeinsamen Gefangenschaft mit Marco Polo dessen Berichte über seine Asienreisen und schrieb sie im Gefängnis nieder.



Marco Polo in China (Abbildung in dem Buch Il Milione, 1298–1299)

Marco Polo wurde nach der berühmten Seeschlacht zwischen Venedig und Genua in der Nähe von Korčula (Kroatien) gefangen genommen. Rusticello wurde während der Seeschlacht zwischen Pisa und Genua (1284, Meloria) gefangen genommen. Beide wurden im Gefängnis des Palazzo San Giorgio festgehalten. Ursprünglich war der Palazzo Sitz der Kommune, dann, dank seiner Lage am Hafen, Zollhaus der Republik Genua. Im 15. Jahrhundert beherbergte das Gebäude den Sitz der bereits erwähnten Banco San Giorgio.


Die Kreuzzüge


Der Juli 1097 markiert einen wichtigen Ausgangspunkt: Die Genueser gehörten zu den ersten, die dem Aufruf Papst Urbans II. von Ende November 1095 folgten. Eine Flotte, die der Überlieferung nach aus zwölf Galeeren bestand, verließ Genua in Richtung Heiliges Land. Dies war die Antwort auf den Aufruf zum ersten Kreuzzug, der 1099 mit der Eroberung Jerusalems endete. Aber dieses Ereignis ist auch der Grundstein für die Geschichte der Stadt. Der Kreuzzug führte zur Gründung der freien genuesischen Kommune und zur sukzessiven Entwicklung der Marine Genuas. Im 12. und vor allem im 13. Jahrhundert wurde Genua zur dominierenden Seemacht im westlichen Mittelmeer. Genuesische Kolonien befanden sich auf Sardinien, Korsika, Zypern, in Monaco, am Bosporus und am Schwarzen Meer.



Nach der ersten Kreuzfahrt wird mit dem Bau der Kathedrale San Lorenzo in Genua begonnen, die zu einem großen Teil durch die Beute aus dem Orient finanziert wird.

Die Erinnerungen an diese ferne Zeit - zahlreiche Reliquien aus dem Orient - werden im Domschatzmuseum aufbewahrt. Zu den berühmtesten Stücken gehört die so genannte Heilige Schale, um die sich Geheimnisse und Legenden ranken: Der Überlieferung nach handelt es sich um den Heiligen Gral, die Schale, die Jesus Christus beim Letzten Abendmahl benutzte. Das grüne Glas soll in Wirklichkeit ein wertvoller Smaragd gewesen sein.





Eine Stadt der Kunst


Es überrascht nicht, dass die reiche Republik auch reich an bedeutenden Kunstwerken ist, die in ihren Kirchen, Museen und Palästen aufbewahrt werden.

Ein Beispiel dafür ist die Sammlung flämischer Meister im Palazzo Bianco, die einen Zeitraum vom Ende des 15. bis zum Anfang des 17. Jh. umfasst. Das Besondere an diesen Werken ist, dass sie alle für Genua oder in Genua gemalt wurden und sich lange Zeit in der Superba befanden. Dies wiederum spricht für rege wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen zwischen Genua und den Spanischen Niederlanden.


Joos Van Cleve (Cleves, 1485-1540), Madonna mit dem Kind, Palazzo Bianco

Die Stadt ist reich an prächtigen Palästen - eine Augenweide für Liebhaber repräsentativer Architektur. Der Palazzo Reale ist der fürstlichste der Adelspaläste in der Via Balbi. Er wird Königspalast genannt, weil die Könige von Savoyen ihn im 19. Jahrhundert als Residenz wählten, wenn sie sich in der Stadt aufhielten. Bevor der Palazzo in den Besitz der Könige von Sardinien überging, beherbergte er zwei große genuesische Familien: zuerst die Balbi und dann die Durazzo, die ihn gegen Ende des 17. Jahrhunderts in einen beeindruckenden Komplex mit Garten und Theater verwandelten.



Wenn man von Kunst und Kultur in Genua spricht, darf man den berühmtesten Sohn der Stadt, Niccolo Pagaganini, nicht vergessen. Er wurde am 27. Oktober 1782 in Genua geboren. Im Palazzo Doria-Tursi ist die berühmte Guarneri-Geige "il Cannone" ausgestellt. Paganini hatte sie als junger Virtuose geschenkt bekommen und nannte sie wegen ihres kräftigen Klanges "il mio cannone violino" ("meine Kanonengeige"). Paganini trug das kostbare Instrument in einem Koffer, der ebenfalls in der Sammlung des Palastes zu sehen ist.



Die Innenstadt und die Caruggi


Die Paläste der Repräsentanz der Republik - die sogenannten Palazzi-Rolli - sind Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und ein kunsthistorisches Highlight der Stadt. Der Charme Genuas liegt jedoch in seinem verwinkelten Straßennetz, den Carruggi, die die Paläste an der Strade Nuova und den Dom mit dem Hafen verbinden. Im Mittelalter bildeten die Carruggi die Grundlage des genuesischen Straßennetzes, das von den mächtigen Kaufmannsfamilien der Stadt kontrolliert wurde. Oft waren die Gebäude auf beiden Seiten des Carruggio mit einem Laubengang versehen, der dem Ganzen die Atmosphäre eines orientalischen Souks verlieh. Heute findet man hier kleine Geschäfte, Bars und Restaurants. Die schmalen Carrugi werden immer wieder von kleinen Plätzen unterbrochen. Als wolle die Stadt hier kurz verschnaufen, bevor sie wieder in das Meer der Carruggi eintaucht.


Die Kirche San Pietro in Banchi. Der Bau der Kirche verdankt sich einer ungewöhnlichen Finanzierungsform: Die Geschäfte, die sich unter der Kirche befanden und noch befinden, zu verkaufen oder zu vermieten.

Das Moderne Genua


Von den Carruggi aus erreicht man den alten Hafen. Hier befindet sich ein schönes Schifffahrtsmuseum und das größte Aquarium Europas. Das Aquarium ist auch architektonisch sehr interessant. Es wurde vom genuesischen Stararchitekten Renzo Piano gebaut. Er ist auch für andere Gebäude und Strukturen verantwortlich, die dem alten Hafen ein neues Gesicht und eine neue Funktion geben. Seine Struktur "Bigo" erinnert an die traditionellen Hafenkräne. Statt Schiffe zu beladen, bietet das Bauwerk von einem 40 Meter hohen Panoramaaufzug aus einen außergewöhnlichen Blick auf den Hafen und die Stadt.



Bigo von Renzo Piano. Im Hintergrund erkennt man die Renaissance Fassade des Palazzo San Giorgio (Sitz der Banca san Georgio).


Vom Aquarium aus ist der 70 Meter hohe Leuchtturm, das Wahrzeichen Genuas, mit dem Taxi in 12 Minuten zu erreichen. Aus den Aufzeichnungen des Leuchtturms geht hervor, dass Antonio Colombo, Christophs Onkel väterlicherseits, im Jahr 1449 zu einem der Wächter der Laterne ernannt wurde.



Das romantische Genua


Wenn Sie Genua besuchen, reservieren Sie sich einen Nachmittag für die Bucht von Boccadasse. Nehmen Sie den Bus Nr. 42 von der Piazza Dante (nahe Porta Sobrana) und tauchen Sie nach 15 Minuten Fahrt in eine Oase der Farben ein. Das machen wir während unserer Reise nach Genua (13. – 16. Mai 2024), aber unter der Woche. Dann sind die fleißigen Genueser noch bei der Arbeit. Das noch milde Maiwetter sollte uns ein paar schöne Stunden am Mittelmeer bescheren.












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