Mein Dresden


Wie der Phönix aus der Asche ist Dresden wiedererstanden aus der Katastrophe des zweiten Weltkriegs und den 40 entbehrungsreichen Jahren der DDR-Zeit. Die Stadt ist – wie unter dem lebenslustigen Kurfürst August dem Starken, der daraus das legendäre «Elbflorenz» machte – wieder zu einem der grössten Anziehungspunkte für Bildungsreisende in Deutschland geworden.


Dem Charme der auf beiden Seiten der Elbe gelegenen Stadt, ihrem «Canaletto-Blick», in ich bis heute verfallen. Ihre Skyline wird geprägt von der Kuppel der seit 2006 wieder errichteten protestantischen Frauenkirche und ihrem Gegenstück, der katholischen Hofkirche von Gaetano Chiaveri mit ihrem zierlichen Turm. Die Plätze und Schlossbauten lassen einen den grossen Atem und Massstab erleben, in welchem damals der Kurfürst dachte. Dieser Hof vermochte es, über Jahrhunderte die besten Meister an sich zu ziehen, sei es in der Architektur mit Matthäus Daniel Pöppelmann, der die Festbauten des Zwingers schuf, oder später mit Gottfried Semper, der das Galeriegebäude für die berühmte Gemäldesammlung und die Oper errichtete. Die Semperoper – was für unvergessliche Aufführungen habe ich dort erlebt. Danach der Umtrunk im gemütlichen Restaurant Kahnaletto, mit einem der köstlichen Wein, die im Elbtal gekeltert werden


Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke Bernardo Bellotto, 1748, Gemäldegalerie Alte Meister

Aber zurück zur Hofkultur. Schon Kurfürst Moritz von Sachsen hatte im 16. Jahrhundert für seine Hofkapelle sechs italienische Musiker engagiert. August der Starke intensivierte diese Tradition eines Kulturaustauschs mit Italien, speziell mit Venedig. Er holte Maler wie Bellotto – später wie sein Onkel Canaletto genannt – und Komponisten aus Venedig, beispielsweise Antonio Lotti (1666–1740), an den Hof und liess sächsische Komponisten in Italien ausbilden. Die wiedergefundenen Manuskripte dieser damals entstandenen Messen, Motetten, Sonaten und Konzerte werden seit Jahren von der Hochschule für Musik systematisch aufgearbeitet und wieder aufgeführt. Ganz wichtig für das Renommée eines Fürsten waren seine Sammlungen. Da hatte Dresden jahrhundertelang die Nase vorn – und das bis heute. Allen voran mein Lieblingsort, die renovierte und neu gehängte Gemäldegalerie «Alte Meister», wo neben der wunderbaren sixtinischen Madonna von Raffael noch unzählige weitere kostbare Gemälde versammelt sind. Als Besonderheit läuft im Moment die Ausstellung «Vom Innehalten» mit Werken von Johannes Vermeer und seinem Umfeld, in deren Zentrum «Mädchen mit dem (Liebes-) Brief» steht. Im renovierten Fürstenschloss werden weitere köstliche Sammlungen gezeigt, neben der originellen «Türckischen Cammer» das «Grüne Gewölbe», eine immense Schatzkammer in original wieder hergestellten Räumen. Trotz des Einbruchs vor zwei Jahren birgt sie herrlichste Reichtümer, beispielsweise das Juwelenzimmer mit dem kecken «Mohr mit Smaragdstufe» und das Bernstein-Kabinett.


Das ist aber noch lange nicht alles. In Dresden lebt ein überaus umgänglicher Menschenschlag, dessen Freundlichkeit einfach wohltut. Hier weiss man zu leben, das erweisen die zahlreichen festlichen Anlässe das Jahr hindurch und in der Adventszeit, der Striezelmarkt. Dann erscheint mir Dresden immer besonders heimelig. Ich liebe es, dort unter der grossen erzgebirgischen Lichterpyramide und den vielen Tannenbäumen zwischen den Ständen herumzuschlendern, die traditionelle Handwerkskunst aus dem Erzgebirge und der Lausitz zu bewundern und mich von seinen kulinarischen Köstlichkeiten wie dem Dresdner Christstollen verlocken zu lassen.


Der Striezelmarkt von oben, Foto: LH DD/Dittrich










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