Online Kunstsammlungen und deren unsichtbare Mechanismen

Vor wenigen Tagen erreichte uns eine freudige Nachricht: Die gesamte Sammlung des Louvre ist online zugänglich.

Wenn man jetzt nach der Mona Lisa sucht, kann man die wichtigsten Informationen schnell erhalten. Ergänzt wird der Eintrag um 13 Fotos des Bildes in bester Qualität. Darüber hinaus zu Schluss weitere Bilder, die in irgendeiner Weise mit dem gesuchten Bild in Verbindung stehen. Mit der Mona Lisa selbst sind zwei Kopien aus der Sammlung des Louvre verlinkt. Hier finden Sie die Online Sammlung des Louvre: https://collections.louvre.fr/en/


Dem unbedarften Sucher aus dem deutschsprachigen Raum kann die Anwendung einige Schwierigkeiten bereiten. Geht man hochmotiviert auf die Seite und tippt 'Mona Lisa' ins Suchfeld, so erscheinen sechs Ergebnisse: fünf Fotos aus dem 19. Jahrhundert und eine Zeichnung aus dem 16. Jahrhundert. Kein Ergebnis zeigt unsere gesuchte Mona Lisa von Leonardo Da Vinci. Der Grund liegt in der Datenbank, die hinter der Benutzeroberfläche steht. Dort werden die die einzelnen Datensätze mit Schlagworten versehen, nach denen gesucht werden kann. Die Schlagworte werden dabei automatisch durch die einzelnen Informationsfelder generiert. Was kompliziert klingt, kann ganz einfach gesagt werden: In der Datenbank des Louvre steht beim Datensatz der Mona Lisa im Informationsfeld 'Titel' der geläufige französische Titel "Portrait de Lisa Gherardini, dit La Joconde ou Monna Lisa", nicht aber die in Deutsch oder Englisch gebräuchliche Schreibweise 'Mona Lisa'. Die Datenbank kann deswegen bei der Suchanfrage 'Mona Lisa' nicht auf den Datensatz des Gemäldes von Leonardo da Vinci zugreifen.


Wie herausfordernd diese Verschlagwortung ist, konnte ich selbst erleben, als ich in einem Projekt die Sammlung der Villa Langmatt in eine Datenbank übertragen habe. Auch diese kann mittlerweile in Teilen online besucht werden. https://www.langmatt.ch/sammlung Das Setzten der geläufigen Titel und die Gewährleistung der Verständlichkeit war hier ebenfalls eine besonders knifflige Arbeit.

Was die Sammlung des Louvre mit der Sammlung der Villa Langmatt in Baden verbindet ist die Datenbank MuseumPlus. Sie wird mittlerweile von den meisten Museen verwendet, um ihre Sammlungen adäquat zu verwalten, den Überblick zu behalten und sie, in einem zweiten Schritt, online zu stellen. MuseumPlus ist übrigens ein Schweizer Exportschlager, die Betreiberfirma zetcom wurde 1998 in Bern gegründet und hat bis heute dort ihren Hauptsitz.


Dass uns die Sammlung des Louvre online zugänglich ist und uns erlaubt, die Meisterwerke von zu Hause aus zu sehen, ist eine schöne Neuigkeit. Es bleibt die Hoffnung, dass das Projekt vom Louvre weiterverfolgt und die Verschlagwortung in Zukunft noch verbessert wird.

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