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  • Kojich & Felder Reisen zur Kunst

Unterwegs durch Albanien, das Land der grossen Kontraste - Teil 1



Unsere kleine Gruppe beginnt die Reise in Tirana, auf dem großen Platz von Skenderbeg. Die Stadtbewohner eilen zur Arbeit, zu Terminen, zu Begegnungen. Ein unabhängiges Albanien gibt es erst seit 1912, als Ismail Qemal in der südalbanischen Hafenstadt Vlora die Republik Albanien ausrief. Bereits 1927 geriet das Land militärisch und wirtschaftlich unter italienischen Einfluss. Ein Großteil des geliehenen Kapitals floss in den Bau des Regierungsviertels in Tirana und in die Anlage großer Boulevards. Hier wollte Mussolini seine kolonialen Ambitionen mit Paraden feiern. Kein Wunder, dass diese breiten Alleen stark an das EUR-Viertel in Rom erinnern.



Mit dem ersten Angriff des Zweiten Weltkriegs im April 1939 endete das fragile Verhältnis des jungen Königreichs zu Italien. Dann kamen die Nachkriegsjahre, die bekanntlich unter dem erst stalinistischen, dann eigenen Regime des Diktators Enver Hoxha hinter einem traurigen grauen Schleier verloren gingen.


Seit den neunziger Jahren eilt das freie Albanien seinen neuen Identitäten entgegen. Manchmal sehr fröhlich.



Nirgendwo sind die großen Veränderungen so sichtbar wie in der Hauptstadt. Hier entstehen die modernsten Einkaufszentren, Wohnhäuser, Kirchen, Moscheen, ...



Die neue große Moschee wurde mit freundlicher Unterstützung von Herrn Erdogan errichtet. Ein paar Straßen weiter baut der italienische Stararchitekt Steffano Boehri die Tiraner Version der Mailänder Hängenden Gärten.



Am zweiten Tag unserer Reise verlassen wir die Hauptstadt. Mit unserem modernen Mercedes-Kleinbus machen wir uns neugierig auf den Weg durch Albanien.



Tomorri, der heilige Berg, wird uns auf unserer Reise oft begleiten. Einige Schleierwolken über dem Berggipfel erinnern uns daran, dass das Wetter schnell umschlagen kann. Aber bisher sind wir auf einem guten Weg.



Die Burg von Berat ist der ummauerte Teil der mittelalbanischen Stadt Berat. Sie ist unser nächstes Ziel. Die Burg umfasst eine Zitadelle, Wohnhäuser sowie zahlreiche byzantinische Kirchen und osmanische Moscheen. Der Hügel war jedoch schon in der Antike befestigt. Davon zeugen Fundamente aus dem späten 4. Jahrhundert.



Die Kirche Shen Triadha (Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit) stammt vermutlich aus der Wende vom 13. zum 14. Dank ihrer exponierten Lage an einem steilen Hang innerhalb der Festung bietet sie einen spektakulären Ausblick auf die umliegende Landschaft.



Die Kathedrale Mariä Himmelfahrt, der Entschlafung der Theotokos geweiht, ist das kunsthistorisch bedeutendste Bauwerk der Zitadelle, die einst über 40 Kirchen und Moscheen beherbergte. Hier befindet sich die berühmte Ikonostase mit Ikonen des Meisters Onufri.



Maria mit dem Kind, Onufri, 16. Jh.


Von der Burg fahren wir hinunter ins Osum-Tal, wo auch unser Hotel liegt. Wir wohnen im Columbus Hotel, das irgendwie an das Capitol in Washington erinnert.



Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu. Der heilige Berg Tomorri verabschiedet sich von der Frühlingssonne.



Aber es bleibt noch genug Energie für einen nächtlichen Spaziergang durch den Mangalem-Stadtviertel. Die Häuser stehen dicht an dicht, die Fassaden zum Tal hin haben alle große Fenster. Daher auch der Name "Stadt der tausend Fenster".



Auf dem Weg nach Apollonia, unserem nächsten Ziel, erfahren wir, dass man Schiffe nicht nur für die See bauen kann, sondern auch für sich selbst. Zumindest dachte sich das ein langjähriger Kapitän aus der Region Fjor, die wir auf dem Weg nach Apollonia durchqueren werden.



Der Grund für den kleinen Abstecher nach Fier liegt darin, dass wir die wirtschaftlich sehr bedeutende Geschichte der Erdölförderung in Albanien (stolze 50.000 Barrel pro Tag) auch visuell erleben können. Entlang der Straße trifft man auf eine Industrielandschaft.



Szenenwechsel: Wir schreiben das Jahr 130 n. Chr., aus dem diese schöne Büste von Vilija (Museum Apollonia) stammt. Die Statue wurde in Apollonia ausgegraben, einer bedeutenden hellenistischen Kolonie, die sich kilometerweit von der Adria bis in die sanften Hügel erstreckte. Hier stand der Tempel des Apollon - daher der Name der Stadt: Apollonia.



Die Stadt Apollonia wurde 588 v. Chr. als dorische Kolonie von Korfu unter Beteiligung von Siedlern aus Korinth gegründet. Fast ein Jahrtausend lang war Apollonia ein wichtiges urbanes Zentrum im epirotischen Raum. Apollonia wurde auf einem Hügel etwa einen Kilometer nördlich des Flusses Vjosa gegründet, der nach wenigen Kilometern in die Adria mündet und in der Antike bis zur Stadt schiffbar war. Die Akropolis der Stadt beherrschte die in der Antike sehr fruchtbare Ebene von Myzeqe. Wie Dyrrhachium war Apollonia in römischer Zeit eine wichtige Hafenstadt an der Küste Illyriens und einer der westlichen Ausgangspunkte der Via Egnatia nach Thessaloniki und Byzanz. Im 4. Jahrhundert n. Chr. umfasste das Stadtgebiet 81 Hektaren und war von einer vier Kilometer langen Stadtmauer umgeben.




Gegen Ende des 6. Jahrhunderts wurde die antike Stadt Apollonia aufgegeben. Die Kulturgeschichte des Ortes setzt sich mit dem Bau eines Klosters fort.Das Bild der Anlage wird von einer Marienkirche beherrscht, die den Typus einer komplexen Kreuzkuppelkirche aufweist. Eine Grabinschrift an der Außenseite der Apsis bezeugt, dass an dieser Stelle im Jahre 1250 ein Mönch namens Theodulos begraben wurde. Der Bau datiert somit spätestens in die zweite Hälfte des 12. bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts.



 

Am späten Nachmittag sind wir wieder in Berat. Unser "palladianisches" Hotel empfängt uns wieder imposant und etwas kühl. Aber die geräumigen Zimmer und das sehr freundliche Personal sorgen für unser Wohlbefinden. Wir werden uns gut erholen. Morgen erwartet uns eine lange Fahrt Richtung Südalbanien. Vor der Nachtruhe wollen wir aber noch einmal mit unserem Bus auf die Burg Berat zum Abendessen fahren.



Ein Blick vom Restaurant auf das Osuna-Thal. Morgen geht es weiter durch das Land der grossen Kontraste.





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